Ein Herbst mit Bashō IV – 4. Oktober 2026

Vom 23. September, dem astronomischen Herbstanfang, bis zum 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, gibt es an dieser Stelle jeden Mittwoch und jeden Sonntag ein Haiku des ältesten und wohl bedeutendsten der Großen Vier der japanischen Haiku-Literatur.

 

 

 

Es ist Nacht. Bashō steht am Ufer des Japanischen Meeres. In der Ferne ahnt er die Insel Sado – der Himmelsfluss, die Milchstraße, scheint dorthin zu leiten. Bashō weiß: Nach Sado waren jahrhundertelang missliebige Personen verbannt worden, Mächtige und Ohnmächtige, Priester, Theaterleute, sogar ein Kaiser.

 

Rauher Wellengang!
W
eit nach Sado hinüber spannt sich
der
Himmelsfluss…

Bashō

 

Großartig. Unten äußerste Bewegung, das wild tobende Meer. Oben die gelassen glänzende Sternenpracht der Milchstraße – die Bashō wohl noch für unveränderlich und ewig hielt. 

 

 

Das Gedicht wird gelesen von Marie Seiser.

 

 

 

  • Bashōs Haiku entstammt seinem Reisetagebuch „Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland“, in der Dieterichschen Verlagsbuchhandlung erschienen, mustergültig herausgegeben von G. S. Dombrady.
  • Wiki über Sado: Die Insel „liegt etwa 60 Kilometer nordwestlich vor der Stadt Niigata im Japanischen Meer. Mit einer Fläche von 854,76 Quadratkilometer  entspricht sie in ihrer Ausdehnung etwa der Insel Rügen. Der höchste Berg, Kinpoku-san, der „Goldnordberg“, ist 1172 m hoch. Die Einwohnerzahl liegt bei ca. 70.000, jährlich besuchen die Insel aber knapp eine Million Touristen.“  Auf Sado hatte man im 12. Jahrhundert Gold gefunden, das die Sträflinge und Verbannten unter unmenschlichen Bedingungen abbauen mussten. Heute sind die Goldminen Weltkulturerbe…