„Eine Suite in der Dauer von 16-20 Minuten“
II. Die Entstehungsgeschichte der „Metamorphosen“ (Anmerkungen)

  • berichtet Willi Schuh: in einem Brief an Wilfried Brennecke, zit. nach: Brennecke, S. 269.
  • in einem Brief vom 28. August: Briefwechsel Strauss-Böhm, S. 170 („Überdies wiederhole ich meine mündliche Durchsage, nach der das Collegium musicum Zürich (Leiter P. Sacher) Sie bittet eine Suite für Streicher (Kl. Besetzung 6/6/4/4/2 Spieler) in der Dauer von ca. 16-20 Minuten zu schreiben.“) – Zu Strauss’ Änderung der Besetzung vgl. das folgende Kapitel.
  • am 12. April beendet: „Etwa 1932/33 begann Richard Strauss, in Schreibheften Texte unterschiedlicher Inhalte zu notieren.“ In einem dieser Hefte notierte er: „Am 8. Mai Metamorphosen Studie für 23stimmige Streicher fertig.“ Die Herausgeber der „Späten Aufzeichnungen“ kommentieren: „Strauss vollendete die Partitur der Metamorphosen am 12. April 1945. Wahrscheinlich datierte er den Zeitpunkt der Fertigstellung hier im Nachhinein auf den 8. Mai [1945], um das Werk symbolisch mit einem einschneidenden geschichtlichen Ereignis zu verknüpfen: Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.“ (Strauss, Späte Aufzeichnungen, S. 9, 135, 138) An anderer Stelle dieser „Späten Aufzeichnungen“ notiert Strauss dann korrekt: „Am 12. April 1945 ‚Metamorphosen, Studie für 23 Solostreicher vollendet'“ (S. 304). Das tatsächliche Datum der Fertigstellung ergibt sich aus Strauss’ eigenhändigem Eintrag am Ende der Partitur: „Garmisch, 12. April 1945“.
  • Wiki erzählt zum Beispiel: zit. nach dem Wikipedia-Artikel über die Metamorphosen (siehe Literaturverzeichnis).
  • und die vielen, die von ihm oder von denen, die von ihm abgeschrieben haben, abgeschrieben haben:   Noch 2023 übernimmt Jeremy Eichler in seinem Buch „Das Echo der Zeit – Die Musik und das Leben im Zeitalter der Weltkriege“ diese Deutungen, offenbar ohne sie zu überprüfen: „Jetzt, im August 1944, begann der weltverdrossene Strauss mit einer chorischen Vertonung von einem der Goethe-Gedichte, ohne sie jedoch jemals fertigzustellen. Stattdessen übernahm er seine musikalischen Ideen, die auch wie vor die geisterhaften Spuren von Goethes in sich trugen, in eine neue Komposition – ein spiralförmig gewundenes Werk von schwermütiger Größe, das den Titel ‚Metamorphosen‘ trug.“  Das ist brillant formuliert – aber sachlich nicht zu halten. (Jeremy Eichlers Buch, 2024 auf Deutsch erschienen bei Klett-Cotta, ist gleichwohl eine sehr lohnende Lektüre.)
  • Birgit Lodes: in ihrem Aufsatz „Richard Strauss‘ Skizzen zu den ‚Metamorphosen’ und ihre Beziehung zu ‚Trauer um München’“ (siehe Literaturverzeichnis).
  • Ein München-Walzer: Es gibt den „München“-Walzer in zwei Fassungen: einmal München. Ein Gelegenheitswalzer für großes Orchester, o. op. 125 (Fertigstellung 1.3.1939), dann München. Ein Gedächtniswalzer für großes Orchester, Zweite Fassung o. op. 140 (Fertigstellung 23.1.1945). – Einige Informationen zur Entstehungsgeschichte der ersten Fassung finden sich bei Münster (siehe Literaturverzeichnis).
  • Für Timothy L. Jackson: Jackson, S. 199 ff. – Vgl. auch meine Kritik an Jacksons Gesamtdeutung der Metamorphosen im Folgekapitel und in den zugehörigen Anmerkungen.
  • Auch der zeitliche Zusammenhang: Lodes, Eine Urfassung, S. 279 (Anm. 12)
  • Strauss hat also gegenüber Willi Schuh: vgl. dazu auch Mosch, S. 259.
  • über zwei Wochen gleichzeitig: vgl. Werbeck, Tone Poems, S. 111 (im Zusammenhang mit „Also sprach Zarathustra“): „As a rule Strauss began the fair copy of the score while working on the particell or even sketches for the conclusion of the piece.“ 
  • Birgit Lodes hat das Particell: Lodes, Eine Urfassung, S. 277. („Aufgrund der vorausgehenden Ausführungen ist festzuhalten, daß eine ‚Urfassung‘ der Metamorphosen von Richard Strauss nicht rekonstruiert werden kann, da dieser eine solche selber nicht zur Ausführung gebracht hat: Er nahm bereits im Particell von der kleineren Besetzungsidee Abstand.“)
  • eine kammermusikalische Urfassung: Rudolf Leopold, Cellist des Wiener Streichsextetts, hat für sein Ensemble eine spielbare Septett-Fassung der Metamorphosen erstellt, die 8. Juni 1994 anlässlich der Richard-Strauss-Tage in Garmisch-Partenkirchen uraufgeführt wurde: „Offenbar arbeitete Strauss schon längere Zeit an diesem Werk, als ihn der Auftrag von Paul Sacher erreichte, der sich ja eine größere Streicherbesetzung wünschte und unter dessen Leitung es auch am 25. Jänner 1946 in Zürich uraufgeführt wurde. Bei der Realisation der ‚Urfassung‘ für Streichsextett und Kontrabass haben wir neben dem Particell auch die endgültige Partitur herangezogen, so dass nun das vollständige Klangbild in kammermusikalischer Form entsteht, wobei interessante Details des Particells (wie z. B. die originelle Schlussmodulation) beibehalten wurden.“ (Rudolf Leopold, zit. nach: Kammermusikführer der Villa Musica, siehe Literaturverzeichnis) Das verdienstvolle und musikalisch hochinteressante Unternehmen rechtfertigt nach Lodes’ überzeugenden Forschungsergebnissen nicht, diese Fassung als Strauss’ ursprünglichen Plan anzunehmen.
  • Es war eben: Schuh, Besprechung der Uraufführung, S. 80.
  • Übersendung der Partitur: nac h Schuh, Entstehung und Uraufführung, S. 86.
  • Er zeigt sich vital: zit. nach dem Abschnitt „Orchesterwerke“ der Webpräsenz der Familie Richard Strauss (siehe Literaturverzeichnis).
  • ein musikalisches Ereignis erster Ordnung, eine Meisterleistung: Schuh, Besprechung der Uraufführung, S. 83.
  • Timothy L. Jackson: Jackson, S. 200. – „Perhaps, anticipating accusations of guilt by association, Strauss himself was surprised by his own previous actions and was affected personally by the line ‚No one can know himself.‘ […] Thus, by expanding the Metamorphosen out of the setting of Niemand wird sich selber kennen, Strauss may have privately confessed, in strictly musical terms, his personal culpability. The confessional aspect of the Metamorphosen may have prevented Strauss from attending its premiere.“ Es ist gut, dass Mr Jackson seine Deutung mit „perhaps“ and „may“ selbst relativiert. Die von Strauss überlieferten Äußerungen sprechen gegen die Annahme von Schuldgefühlen des Komponisten, so dass sich die Interpretation auf etwas gegenüber anderen bzw. sich selbst nicht Eingestandenes zurückziehen müsste. Dass er an der Uraufführung teilnahm, ist jedenfalls mehrfach belegt: vgl. dazu Mosch, S. 253 – dort findet sich auch die zitierte Rezension vom 30. Januar 1946 (von „Dv.“ in der Tageszeitung „Die Tat“).
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