„Nichts ist verheerender als die Modelle“
VI. 
Überlegungen zur Form (Anmerkungen)

Die erste Überschrift ist eine Hommage an den – neben Prof. Dr. Günter Katzenberger und Prof. Dr. Hermann Danuser – dritten meiner prägenden akademischen Lehrer, Prof. Dr. Hellmuth Kühn, der meinen Aufzeichnungen nach diesen Satz nicht nur einmal in Vorlesungen und Seminaren gesagt hat.

  • „unentwegte Variationskette“: so der Wikipedia-Artikel über die Metamorphosen(siehe Literaturverzeichnis).
  • eine Mischung: Anonymus (Kritiker des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“) („Die strengere Variation mischt sich hier mit der freieren Form der Phantasie.“)
  • eine „lose Sonatenform“ bzw. ein „loses Rondo“: vgl. Antonioli, S. 3 f.
  • „Reconsidering Strauss’s Metamorphosen“: Ich tue mit dieser verkürzten Wiedergabe einer Argumentation, die mir zudem nur als „Abstract“ vorliegt, der Verfasserin vielleicht unrecht. Dieses ist leicht zugänglich (s.u.), so dass meine grundsätzlichen Einwände wenigstens ein Stück weit überprüft werden können.
  • Prinzip der Steigerung: Steigerung ist natürlich ein bei Strauss – und nicht nur bei ihm – überall zu findendes Gestaltungsmittel. Walter Werbeck widmet ihm in seiner Monographie über die Straussschen Tondichtungen ein langes Kapitel, in dem er die formbildenden Kräfte des Steigerungsprinzips ebenso untersucht wie die unterschiedlichen Techniken, Steigerungen zu erzielen (Werbeck, Tondichtungen, S. 325 ff.). 
  • Steigern läßt sich so ziemlich alles: Werbeck, Tondichtungen, S. 325.
  • Tempobezeichnungen: etwas fliessender (T. 82) – poco più mosso (T. 134) – appassionato (T. 144) – Agitato (T. 213) – poco accelerando (T. 239/40) – noch etwas lebhafter (T. 246) – Più allegro (T. 345) – accelerando (T. 384)
  • retardierende Elemente: Ein solcher Neuansatz ist – nach einem achttaktigen Dominant-orgelpunkt in pompösem Fortissimo – T. 299: statt der Sechzehntelketten nun Achteltriolen, ausgedünnte Besetzung, Wechsel des thematischen Materials.
  • mehrere Episoden: Die fünf Abschnitte ergeben sich zwingend aus den genannten Kriterien (Tempoänderungen, Wechsel des thematischen Materials, Tonartwechsel, Wechsel des Klangraums und der Besetzung, damit einhergehend meist plötzliche Änderung der Dynamik). Untergliederungen wären möglich, würden aber die inneren Zusammenhänge m.E. nicht deutlich machen.
  • es wäre denn der Begriff der Metamorphosen: Wilfried Brennecke stellt tatsächlich die Frage, ob „von einer gegenüber anderen musikalischen Gattungen klar abgrenzbaren Form der ‚Metamorphose‘ die Rede sein kann“ (Brennecke, S. 268). Diese Fragestellung ist m.E. unsinnig – und wird von Brennecke dann auch abschließend sowohl für Strauss als auch für Hindemiths „Sinfonische Metamorphose von Themen Carl Maria von Webers“ mit einem klaren Nein beantwortet.