Haiku der Woche 1 – 5. Januar 2020

Heute vor 192 Jahren starb in dem Dorf Kashiwabara auf der Insel Honshū der Dichter Kobayashi Issa – neben Bashō, Buson und Shiki einer der Großen Vier der japanischen Haiku-Tradition.

Der „HaikuGuy“ David G. Lanoue hat fünf Bücher über Issa geschrieben und 10.000 seiner Haiku übersetzt und auf seiner Homepage verfügbar gemacht. Ich habe in die von ihm bereitgestellte Suchmaschine die Worte „new year“ eingegeben und „17 haiku out of 10.000“ erhalten. Zwei davon habe ich ausgesucht und aus der englischen Übersetzung übersetzt.

 

Überall Nebel
v
or meinen Augen, heute
und 
im neuen Jahr.

 

Auch im neuen Jahr:
n
euer Unsinn lagert sich
auf 
altem Unsinn.

Kobayashi Issa

 

 

Issa lebte von 1768 bis 1828, war also ein Beethoven-Zeitgenosse. Das erste Gedicht stammt aus dem Jahr 1813, das zweite von 1822, Issa ist 50 bzw. fast 60 Jahre alt. Wiki (der ich auch das Bild verdanke) schreibt, dass nirgendwo in seinen Haiku „auch nur der kleinste Ansatz von Verbitterung oder Traurigkeit“ zu erkennen sei, dass sie vielmehr „Fröhlichkeit und Zufriedenheit“ ausstrahlen. Für die beiden hier ausgewählten Gedichte eines allmählich älter werdenden Mannes scheint diese Einschätzung nicht recht zu gelten. – Das berühmteste Haiku von Issa (das von der Schnecke, die auf den Fuji steigt) findet sich, in mehreren Übersetzungen, hier.