Gevatter Tod
Musical nach dem Märchen der Gebrüder Grimm
Text und Musik: Rüdiger Glockemann und Wolfgang Volpers
Es gibt andere Geschichten – schönere gibt es nicht. Das Leben, die Liebe, der Tod, alles in Höchstform, mit einem ungeheuren Farbenreichtum und großem Witz – und einem bewegenden Finale, dem Liebestod in der tausendfach glänzenden Höhle der Lebenslichter.

Hier zunächst das Grimmsche Märchen Gevatter Tod samt unserer wichtigsten dramaturgischen Ergänzungen. Bilder zweier Inszenierungen finden sich hier. – Unser „Gevatter Tod“ ist mehrfach nachgespielt worden. Für eine Aufführungsserie im Sommer dieses Jahres 2026 hat Tobias Quindel geniale Playbacks erstellt, so dass das Stück auch an Schulen ausführbar ist, die nicht genügend Live-Musiker zur Verfügung haben. Mit seiner Erlaubnis folgen hier die Playbacks und die Noten zu jeder der 20 Musiknummern.
Erster Akt. – Nr. 1: Introduktion
Der Vater ist verzweifelt. Gleich wird das dreizehnte Kind zur Welt kommen, und er kann schon die ersten zwölf nicht ernähren. „Gib uns Brot!“, rufen sie und hören erst auf, als das Neugeborene seinen ersten Schrei tut.
Nr. 2: Duett Vater-Hebamme
„Wo nehm ich Essen her, woher den Paten?“, fragt der Vater. Und da ist auch noch die Hebamme, die um ihren Lohn bettelt.
Nr. 3: Gespräch mit Gott
Der liebe Gott bietet sich als Pate des Neugeborenen an, aber der Vater lehnt ab: „Weshalb sind wir so arm und andre reich? Warum verteilst die Güter du nicht gleich? Vergib mir, Gott. Vielleicht versteh ich’s schlecht. Doch als Gevatter seid Ihr mir nicht recht.“
Nr. 4: Teufels-Reggae
Und auch der Teufel will gern den Gevatter geben: „Ich spreche von den Großen dieser Welt. Warum, glaubst du, sind die so gut gestellt? Das kommt, weil sie mit mir kooperieren. Das sollte dich als Vater intressieren!“
Nr. 5: Duett Vater-Hebamme
Der Vater hat auch das Angebot des Teufels abgelehnt und ist ratlos: „Fände ich doch einen, der einem armen Menschen beisteht, denn er ist gerecht.“ Das ruft den Tod auf den Plan: „Ich frage nicht nach: Bist du arm oder reich? Die Marktfrau, die Nonne, der Narr und der Denker, die Gräfin, die Dirne, der Dieb und der Henker –
sobald ich sie anrühr, sind alle sich gleich.“
Der Vater ist einverstanden. „Ich nehm dich, Tod, du sollst du mein Pate werden. Gerecht wie dich fand keinen ich auf Erden. Am nächsten Sonntag soll die Taufe sein. Sei pünktlich! – Meine Hand. – Ich schlage ein.“
Nr. 6: Die Taufe
Alle sind sie gekommen, der Vater, die zwölf Kinder, der Priester, alles mögliche Volk – und zuletzt auch der Gevatter, der Tod. Die große Taufszene endet mit einem fürchterlichen Gewitter.
Zweiter Akt. – Nr. 7: Lied des zukünftigen Arztes
Etwa ein Dutzend Jahre später. Während die Älteren spielen, ist der Jüngstgeborene traurig – es ist sein Namenstag, aber seinen Paten hat er nie kennengelernt: „Pate, ich leide so große Not. Traurig bin ich auf den Tod.“ Und dieser erscheint…
Nr. 8: Rap des Todes
„Heute will ich dir erzählen, was die Zukunft für dich bringt: Den Beruf kannst du nicht wählen, den hab ich dir vorbestimmt. Sollst dereinst ein Doktor werden und der beste obendrein, denn bei jedem kranken Menschen soll dein Urteil richtig sein.“ Die Liste des Todes mit Heilkräutern kann der Junge gleich aufsagen – und mittanzen.
Dritter Akt. – Nr. 9: Arztpantomime
Wieder ein paar Jahre später, der junge Arzt bei der Arbeit. Steht der Tod am Kopfende des Bettes, ist keine Hoffnung möglich; steht er am Fußende, wird der Kranke genesen.
Nr. 10: Lied des Arztes
„Man rühmt mich überall im Lande, beständig steigt mein Honorar, vorbei sind Armut, Not und Schande, was einst mein einzig Erbteil war. Das alles kam von meinem Paten, dem großen Retter in der Not, laut loben alle meine Taten, ich nur im Stillen lob den Tod.“
Nr. 11: Klagechor
Der Arzt wird an den Hof gerufen, denn der König ist schwer erkrankt. Alle klagen und jammern – auch der Leibarzt, der um seine Stellung fürchtet: „Welch reicher Lohn geht mir hier durch die Lappen! Was würde seine Majestät berappen! Nicht auszudenken, wenn der König stirbt und die Karriere mir dadurch verdirbt!“
Der Leibarzt will den König eben noch einmal zur Ader lassen, da trifft der junge Arzt ein – und findet den Tod am falschen Ende des Bettes vor. Aber – beeindruckt von der schönen Prinzessin – findet er eine Lösung. Man soll den Kranken einfach verkehrt herum betten (so dass der Tod auf die günstige Seite zu stehen kommt). Der König erholt sich tatsächlich. Den Leibarzt jedoch degradiert man und schickt ihn in die Schweineställe.
Nr. 12: Choreinwürfe/Todesmotiv
All das wird von den Mitgliedern des Hofstaates kommentiert. „Aderlass! Aderlass! Ja, lass ihn zur Ader!“ rufen sie, und später schadenfroh: „Schweinearzt! Schweinearzt! Er muss zu den Säuen!“
Nr. 12 Choreinwürfe und Todesmotiv
Nr. 13: Hoftanz
Man feiert und tanzt. Der junge Arzt und die schöne Prinzessin sehen sich in die Augen. Aber einer ist nicht einverstanden: der Tod. Der junge Arzt bittet ihn um Verzeihung und verspricht, nie wieder mit einem solchen Trick zu arbeiten. „Es sei! Dieses eine Mal nehm ich es hin und schone dich, weil ich dein Pate bin. Doch behalt im Gedächtnis, was heut du geschworen! Betrügst du mich wieder, so bist du verloren!“
Vierter Akt. – Nr. 14: Rock’n’Roll des Schweinearztes
Der ehemalige Leibarzt, jetzt Schweinearzt, hat sich in das Gemach der Prinzessin geschlichen und hat Böses vor. „Ich seh Schweine, nur noch Schweine!! seht ihr keine? Ich seh Schweine. Ich seh bloß Schweine hier und Schweine da – begreift ihr, was ich meine? Die Welt ist nur ein Schweinestall, die Schweine, die sind überall, ich selbst, ich werd zum Schweine!“
Nr. 14 Rock’n’Roll des Schweinearztes
Nr. 15: Lied der Prinzessin
Der Schweinearzt hat Gift in das Getränk der Prinzessin geträufelt. Diese erscheint, bemerkt aber nichts, denn sie ist ganz mit sich und ihrer aufblühenden Liebe zu dem jungen Arzt beschäftigt. Ob er sie zurückliebt? „Mit Tränen beschließe ich darum den Tag, ich weiß ja noch immer nicht, ob er mich mag! Der kam und vertauschte den Kummer mit Glück, gleich gab er dem Kummer mich wieder zurück – den ich aber niemandem sage, den ich mir nur selber still klage.“
Nr. 16: Zofenwalzer
Die Zofen versuchen die Prinzessin zu trösten und empfehlen eine kleine Intrige. Wenn sie sich krank stellen würde, könnten sie einen Arzt rufen, dann, hier in dem engen Gemach, würde sich doch vielleicht manches wie von selbst ergeben. „Bevor noch der Morgen Euch graut, seid Ihr und der Arzt schon so gut wie getraut.“
Nr. 17: Auftritt des Arztes
Die Prinzessin hat aus dem bereitstehenden Glas getrunken… Der Arzt findet sie schlafend. „Sie schläft, die ich, gleichviel, ob ich mich wehre, seither wie keine sonst und je begehre. Vergib mir, wenn ich es jetzt einmal sage, was ich, wenn du erwachst, gewiss nicht wage: Ich liebe dich.“ Der Tod hört dieses Geständnis.
Der Tod warnt sein Patenkind: Die Prinzessin sei vergiftet, sie werde sterben, der junge Arzt dürfe aber sein Versprechen nicht brechen. Die Prinzessin kommt zu sich, die beiden gestehen einander ihre Liebe. Als sie begreift, dass sie vergiftet worden ist, fleht sie den Arzt an, ihr zu helfen. Dieser wendet noch einmal den gleichen Trick an und bettet die Geliebte verkehrt herum. „So sei’s, mein Gevatter, du magst mich verderben! Ich schwöre, Prinzessin, du sollst noch nicht sterben.“
Nr. 18: Solo des Todes
„Steh auf und komm mit mir, verruchter Betrüger! Ich bin deine falschen Versprechungen satt!“
Fünfter Akt – Nr. 19: Lied des Arztes
„Was sind das für Wege, auf die du mich führst? Nur wenige Schritte und alles wird fremd!“ Der Tod führt sein Patenkind in die Höhle des Lebenslichter.
Nr. 20: Finale – In der Höhle der Lebenslichter
Orchester-Playback, ohne Dialog
Tobias hat auch Vocals Guides erstellt, die den Sängern beim Einstudieren helfen (und in der Aufführung nicht verwendet werden). – Das komplette Libretto stelle ich gern zur Verfügung (Mail an mich). – Hier nun noch der Trailer einer Inszenierung von 2014 mit Aufnahmen von Proben usw.: