B-A-C-H-Tango

Johann Sebastian und seine vielen komponierenden Verwandten hatten mit ihrem Nachnamen wirklich Glück: Nicht nur lassen sich alle vier Buchstaben durch Noten darstellen, die entstehende Tonfolge ist auch sehr eindrucksvoll – vier eng beieinander liegende Töne, C-H die einen Ganzton höhere Wiederholung von B-A, das sich aus B-H und A-C ergebende Kreuzmotiv…  Franz Liszt, um nur ihn zu nennen, hatte nicht diese schönen Möglichkeiten, Johann Sebastian aber hatte mit diesen vier Noten eine klingende Unterschrift:

 

 

Diese Unterschrift steht auch am Ende des unvollendet gebliebenen Schlussstückes der „Kunst der Fuge“, an der Johann Sebastian in seinen letzten Lebensjahren arbeitete. In der Handschrift findet sich ein Eintrag von der Hand seines Sohnes Carl Philipp Emanuel: „Über dieser Fuge, just wo der Name B A C H im Contrasubject angebracht worden, ist der Verfasser gestorben“…

Es gibt Hunderte und Aberhunderte Kompositionen, die sich mit diesem an Möglichkeiten überreichen Motiv beschäftigen – zum Beispiel Liszts „Präludium und Fuge über den Namen BACH“. Die Liste reicht von den Mitgliedern der „musicalisch-Bachischen Familie“ bis in unsere Tage, und wird nicht in ihnen enden. Hier ist mein eigener Beitrag, ein Tango mit einer Melodie, die so beginnt:

 

 

Die schräge Besetzung – Streicher, Orgel, Trompete, Klavier, Percussion und am Schluss Orgel – erklärt sich aus den Verhältnissen des Konzerts, für das das Stück geschrieben wurde, nämlich der Bach-Blüten am Rosenmontag 2020. Die Partitur enthält den Percussionpart nur in Andeutungen, im Vertrauen darauf, dass die erfahrenen Profis die Sache schon richten werden:

B-A-C-H-Tango

Bei der Uraufführung gab es einen solchen Beifall und Jubel, dass das Stück gleich wiederholt werden musste. Hier die Zeitungskritik und eine aus den zahlreichen enthusiastischen Zuhörerreaktionen: „Das Beste kommt zum Schluss. Wolfgang Volpers ist mit seinem ‚Tango alemán über B-A-C-H‘ ein richtig großer Wurf und sprühender Tango gelungen, der die Musiker rund das Publikum gleichermaßen begeistert. In Feierlaune und mit deftigen Rhythmen geht es nun richtig hinein ins Vergnügen. Als dann auch noch neun junge leuchtende Rosen-Elfen grazil durch den Mittelgang Richtung Bühne ziehen, ist das Bach-Blüten-Bild perfekt. Ein glänzender Abschluss.“ (Birgit Jürgens in der HiAZ)  – „Natürlich war ich ‚hin und weg‘ – wie alle Konzertbesucher – bei dem abschließenden Tango alemán über B-A-C-H. Der nicht enden wollende Applaus zeigte sicher das richtige Feedback zu euren ,Bach-Blüten’!“ (R.H. via e-Mail)

Leider ist die Uraufführung nicht mitgeschnitten worden, so dass zum Anhören einstweilen nur die vom Notenschreibprogramm angebotene Midi-Datei zur Verfügung steht…  Der folgende Ausschnitt ist von kundiger Hand etwas aufbereitet worden: